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Lehrer steht an einer Tafel vor seiner Schulklasse

12.02.2026

Halbjahreszeugnis: So läuft es im neuen Schulfach Informatik und Medienbildung

Seit einem halben Jahr wird das neue Schulfach Informatik und Medienbildung unterrichtet. Lehrerin Lisa Zielke von der Schickhardtschule in Stuttgart gibt ein erstes Update zu Implementierung, Verlauf und Schülerbeteiligung.

Lesezeit: 6 Minuten

Ein neues Schulfach

Mit dem Schuljahr 2025/26 wurde das neue Fach Informatik und Medienbildung flächendeckend an allen weiterführenden Schularten in Baden-Württemberg eingeführt. Zunächst werden die Klassenstufen fünf und sechs eine Stunde wöchentlich in diesem neuen Pflichtfach unterrichtet, an einen endgültigen Bildungsplan wird weiterhin gearbeitet. Zum Halbjahr gibt Lehrerin Lisa Zielke von der Schickhardtschule im Stuttgarter Süden einen ersten Einblick in den Schulalltag mit einem brandneuen Fach.

„Das ist durchaus auch mal ein Blindflug“

 

Frau Zielke, wie haben Sie ihr Ihr Kollegium die Einführung des neuen Pflichtfaches Informatik und Medienbildung erlebt?

Nachdem wir bei den Gesamtlehrerkonferenzen erfahren haben, dass dieses Fach kommen wird, wurde sehr schnell klar, dass es ja auch jemand unterrichten muss. Unsere Schulleitung ging damals sehr proaktiv auf das Kollegium zu und fragte, wer es sich vorstellen könnte, sich in diese Richtung weiterbilden zu lassen. An unserer Schule, und wahrscheinlich nicht nur da, gab es nämlich niemanden, der Informatik oder Medienbildung studiert hat.

Diese Weiterbildung fand dann in Zusammenarbeit mit der Uni Konstanz statt, richtig? Dort wurden ja 400 Lehrerinnen und Lehrer fortgebildet.

Richtig. Derzeit nehmen eine weitere Kollegin und ich an dieser einjährigen Fortbildung teil. Wir sind sehr dankbar dafür, dass diese Plätze so aufgestockt wurden und dass so viele Lehrkräfte spontan nachqualifiziert werden können. Man muss aber klar sagen, dass diese Plätze längst nicht für alle reichen und bei uns auch Kollegen ohne diese Fortbildung unterrichten. Also teilen wir uns das Material und versuchen, uns gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen und zu unterstützen. Das ist durchaus auch mal ein Blindflug.

Klingt nach sehr viel Eigenleistung.

Es ist ein Work in progress, ich denke, das ist bis zu einem gewissen Grad auch normal. Aber natürlich ist es eine große Herausforderung. Unterricht in Echtzeit, quasi: Wir arbeiten uns parallel zum Unterricht in das Material ein. Das ist schon ein riesiger Unterschied zu anderen Fächern.

„Ich bin überzeugt davon, dass dieses Fach sehr wichtig ist“

 

Wie hilfreich ist die offizielle Lesehilfe des Landes, dies es ja anstelle eines Bildungsplans gibt?

Sie hilft natürlich schon, aber nur bedingt. Es wird offengelassen, wie tief wir in gewisse Materien einsteigen sollen. Viel mehr als eine grobe Orientierung kann sie am Ende nicht bieten. Für unsere Begriffe kam dieses neue Fach am Ende dann doch sehr plötzlich. Ein wenig mehr Vorbereitung hätte sicherlich nicht geschadet.

Wie werten Sie das Schulfach ganz allgemein?

Ich bin sehr froh, dass Informatik und Medienbildung nun ein eigenes Fach ist und diese Themen aus den anderen Fächern herauswandern. Ich bin überzeugt davon, dass dieses Fach sehr wichtig ist und sich auch behaupten wird. Da kann ich auch für meine Kolleginnen und Kollegen sprechen. Was aber tatsächlich sehr helfen würde, wäre, wenn wir nach und nach mehr Lehrkräfte bekämen, die das wirklich studiert haben.

Warum haben Sie sich freiwillig gemeldet, um dieses Fach zu unterrichten?

Weil es wichtig ist. Weil es spannend ist. Und weil es uns doch alle betrifft. Wir sind mehr und mehr im digitalen Raum unterwegs, dort also, wo sich die drängenden Fragen unserer Zeit abspielen. Ich bin sehr an Schulentwicklung interessiert und finde es sehr lehrreich, gleich von Anfang an dabei zu sein. Außerdem lerne ich auch selbst super viel.

„Nah an der Lebenswirklichkeit der Schülerschaft“

 

Und die Schülerschaft? Wie nehmen die das Fach an?

Die finden es super und sind wirklich happy damit. Unsere Schule ist gut ausgestattet, das macht den Unterricht natürlich auch etwas reibungsloser. Aber wir spüren sehr deutlich, dass das ein Fach ist, das nah an der Lebenswirklichkeit der Kinder und Jugendlichen ist. Das ist schon etwas anderes als das Periodensystem.

Was haben Sie im ersten Halbjahr mit ihrer Klasse durchgenommen?

Die Lesehilfe sieht vor, dass Informatik und Medienbildung anfangs noch klar getrennt sind. In den Klassen fünf und sechs ist es explizit nur Medienbildung, Informatik kommt erst in der Mittelstufe dazu. Es geht um das Ich, um den Umgang mit Medien, um Grundlagen der Medienkompetenz.

Und was muss passieren, damit dieses Fach wirklich zur Erfolgsgeschichte wird?

Es muss evaluiert und weiterentwickelt werden. Dann kann es wirklich dazu beitragen, dass sich Schülerinnen und Schüler zu digital mündigen, autonom denkenden Menschen entwickeln.

Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person

Lisa Zieke unterrichtet Deutsch, Philosophie, Ethik und Informatik und Medienbildung am Schickardt-Gymnasium Stuttgart. Ihr Referendariat absolvierte sie am Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium, ebenfalls in der Landeshauptstadt.

Björn Springorum

Über den Autor

Björn Springorum ist freier Journalist und Schriftsteller. Er schreibt u.a. für die Stuttgarter Zeitung, den Tagesspiegel und konzipiert Comic-Geschichten für „Die drei ???". Als Schriftsteller hat er bislang fünf Kinder- und Jugendbücher verfasst. Zuletzt erschienen: „Kinder des Windes" (2020), Thienemann Verlag. Er lebt in Stuttgart.

Björn Springorum

Freier Journalist und Schriftsteller